Was ist ein Naturgarten?

Bei herkömmlichen Gärten, in denen Mauern und Pflaster möglichst frei von Bewuchs und Rasenflächen mindestens wöchentlich gemäht werden, führt diese Art der Pflege zu einer Sterilität und Artenarmut. Demgegenüber steht ein Naturgarten als naturnaher Lebensraum Pflanzen und wildlebenden Tieren und natürlich dem Menschen zur Verfügung. Durch eine große Vielzahl von einheimischen Wildpflanzen und eines hohen Reichtums an Strukturen werden Tiere angelockt. Alle verfügbaren Lebensräume werden einbezogen: Wege, Pflasterfugen, Dächer, Hauswände, Parkflächen, Zäune, Mauern, Totholz, Wasserflächen und viele mehr. 

Ein Naturgarten wird von uns immer standortgerecht gestaltet, um den Ansprüchen der Pflanzen an Boden und Klima gerecht zu werden. An trockenen Standorten werden trockenheitsverträgliche Pflanzen eingesetzt, wodurch sich Pflegeeingriffe wie Gießen verringern.

Wir arbeiten mit einheimischen Wildpflanzen. Einheimische Pflanzen haben sich seit Jahrtausenden auf natürliche Weise hier bei uns etabliert. Sie sind lebenswichtig für viele Insektenarten, die sich wiederum an die hier lebenden Pflanzen angepasst haben. Durch die Auswahl von Pflanzenarten mit besonders hohem öko-logischen Wert für die heimische Tierwelt können wir spezialisierte Insekten- und Vogelarten anlocken. Auch auf jahreszeitlich versetzte Blüh- und Fruchtfolgen achten wir, um der Tierwelt ganzjährig natürliche Nahrung anzubieten. Das sieht, so ganz nebenbei, auch noch viel schöner und bunter aus!

Es versteht sich von selbst, dass wir keine pflanzen- oder tiergiftige Stoffe, Torf, synthetische Bodenhilfsstoffe und chemische Dünger verwenden. Wir gestalten unsere Naturgärten mit ökologischen Baustoffen wie Natursteinen und unbehandelten Hölzern möglichst aus regionaler Herkunft. Wir achten und schützen das natürliche Bodenleben und vermeiden Bodenverdichtungen mit schwerem Gerät. 

In  Naturgärten findet eine natürliche Dynamik statt. Naturnahe Gärten dürfen sich im Laufe der Zeit verändern. Deutliche Pflegeeingriffe wie Heckenschneiden, Mähen und Hacken werden auf das ökologisch notwendige Maß reduziert. Die Selbstaussaat erwünschter Pflanzen wird geduldet oder gefördert. Selbst-verständlich bleiben abgestorbene Pflanzenstängel für überwinternde Insekten bis zum Frühjahr stehen. 

Im  Naturgarten achten wir auch auf den Energieverbrauch. Laubsauger oder -bläser werden nicht verwendet. Auf elektrische Beleuchtungen wird wegen der Lichtverschmutzung verzichtet. Zum Gießen wird möglichst Regenwasser verwendet. 

Im Naturgarten respektieren wir alle Mitlebewesen. So werden Fraßschäden an Wildpflanzen als Spuren tierischer Besiedlung toleriert. Blattläuse oder Raupen sind für einheimische Pflanzen meistens unproblematisch und dienen als Proteinquelle für unsere heimischen Vögel. Wir wissen ganz genau: Nur dieses Miteinander ermöglicht uns spannende Naturerlebnisse!